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Windows 8 – 5 Fragen an IT-Experten

Nach langem Vorlauf hat Microsoft am letzten Freitag (26. Oktober 2012) offiziell mit der Auslieferung der neuesten Version seines Betriebssystems Windows begonnen. Dabei bringt Windows 8 eine ganze Reihe an Neuerungen und Veränderungen für den Benutzer mit sich (siehe dazu: Windows 8 – Editionen und Upgrade-Möglichkeiten). Offensichtlichste Änderung ist die neue Modern-UI-Oberfläche mit dem Namen Metro, die in erster Linie für eine Bedienung über ein Touchscreen/-display konzipiert ist. Aber auch unter der Oberfläche scheint man im Hause Microsoft eine ganze Menge geschraubt zu haben.

IT-Dienstleistungen Windows 8

(c) Foto: microsoft.com

Grund genug, einmal bei einigen Experten aus der IT-Branche nachzufragen. Wir konnten Stefan Steuer, Vertrieb für Microsoft Hosted Lösungen bei acmeo cloud-distribution GmbH & Co. KG aus Hannover (www.acmeo.eu) und Benedikt Wollenweber, Projektleiter bei der NETZORANGE IT-Dienstleistungen GmbH aus Köln (www.netzorange.de) für einige Statements zu den Neuerungen von Windows 8 gewinnen.

Benedikt Wollenweber und Stefan Steuer über Windows 8

Mit der Veröffentlichung von Windows 8 hat Microsoft nicht nur das Erscheinungsbild, sondern offensichtlich auch „unter der Haube“ des Betriebssystems eine Menge geändert. Wie sind Ihre Eindrücke dieser Neuerungen?

Stefan Steuer (acmeo): Windows 8 macht, nachdem man sich etwas damit auseinander gesetzt hat, einen sehr stabilen und somit guten Eindruck. Microsoft scheint von den anderen Veröffentlichungen gelernt zu haben und kann diesmal wohl auf ein großes Bugfix-Update verzichten.

Benedikt Wollenweber (Netzorange): Das kann ich bestätigen. Gleich auf den ersten Blick sieht man, dass Microsoft am „Look and Feel“ im Vergleich zu alten Versionen des Betriebssystems einiges geändert hat. Anstatt des gewohnten Desktops mit dem bekannten Startmenü sieht man die sogenannte „Windows 8 Modern UI“ (Entwicklungsname „Metro“, die an die Benutzeroberfläche der Windows Phones erinnert. Nachdem man sich mit dem System beschäftigt und die ersten Irritationen überwunden hat stellt man fest, dass es sich bei Windows 8 um ein schlankes und aufgeräumtes Betriebssystem handelt, in dem man sich schnell zurecht findet und das für den täglichen Einsatz durchaus geeignet ist.

Stefan Steuer (acmeo): Man sollte unbedingt auch einen weiteren klaren Vorteil nenne: Nämlich dass man hier auf die aus Windows Vista und Windows 7 bekannten Aeroeffekte bewusst in der Standardkonfiguration verzichtet hat. Dies lässt das System um einiges schneller erscheinen, was sich auch deutlich beim Bootvorgang bemerkbar macht.

Über die Vor- und Nachteile von Windows 8

Worin sehen Sie Vorteile bzw. Nachteile von Windows 8?

Benedikt Wolllenweber - Projektleiter bei der NETZORANGE IT-Dienstleistungen GmbH aus KölnBenedikt Wollenweber (Netzorange): Als Vorteile sind sicherlich die folgenden Punkte zu nennen: Das System startet zügig und bietet nützliche Funktionen für Tablets oder andere Rechner mit Touchscreens, die bislang nicht verfügbar waren. Ein großer Nachteil besteht meiner Meinung nach darin, dass für Windows 8 aktuell noch nicht alle Treiber verfügbar sind und so mit verschiedenen Einschränkungen gerechnet werden muss. Zudem gibt es verschiedene Punkte bei denen sich der Benutzer deutlich umgewöhnen muss. So ist beispielsweise die Schaltfläche zum Herunterfahren in den Systemeinstellungen versteckt und nicht wie gewohnt im Menü.

Stefan Steuer (acmeo): Windows 8 bringt eine ganze Menge an Vorteilen: schnelleres Booten, Optionale Anmeldung mit Windows Live-ID dadurch erhält man überall die gleichen Einstellungen und die gleiche Umgebung, Entlastung der Grafikkarte durch nicht installierte Aero-Effekte, bessere Datei-Versionierung. Demgegenüber würde ich die folgenden Punkte als nachteilig einstufen: kein direktes Herunterfahren möglich, alle Applikationen auf einer Seite sollen das Startmenü ersetzen, viele versteckten Menüpunkte, zu viel Tablet-Feeling für einen Desktop-User, nicht für Maus und Tastatur optimiert sondern eher für Touchscreens.

Zusammenfassend würde ich sagen: Aufgrund der Optik und des Handlings, welche nun einmal für Mobilgeräte mit einem Touchscreen vorranging geschaffen wurden, wird Microsoft hier wahrscheinlich Absatzschwierigkeiten im Anwenderbereich kriegen. Hätte man die Wahl ob man die „Windows 8 Modern UI“ (früher Metro genannt) nutzt oder nicht, wäre es vielleicht anders.

Über den richtigen Zeitpunkt eines Upgrades auf Windows 8

Eine Frage, die viele Anwender derzeit stellen: Für wen lohnt sich der Umstieg auf Windows 8 und vor allem wann sollte man den Wechsel vollziehen?

Benedikt Wollenweber (Netzorange): Einen Wechsel kann selbstverständlich jeder vornehmen, der das neue System gerne testen möchte. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass es beispielsweise in Verbindung mit älteren Druckern zu Inkompatibilitäten kommen kann. Zudem sollte man sich vorher bei den Herstellern der eingesetzten Third-Party-Software in Verbindung setzen und abklären, ob diese zur Verwendung unter Windows 8 freigegeben ist. Bei eventuellen Unwägbarkeiten empfiehlt sich zunächst ein Parallelbetrieb von Windows 7 und Windows 8 um potentielle Problemquellen ausfindig zu machen.

Stefan Steuer (acmeo): Der Umstieg aktuell lohnt sich für diejenigen, die eine einheitliche Arbeitsumgebung gewohnt sind. Diese erhält man wunderbar in dem Zusammenspiel von Windows Phone, Tablet und Desktop/Notebook, da man hier in Verbindung mit mehreren Cloud-Diensten auch seine Dokumente/Dateien/Grafiken oder auch ganze Netzlaufwerke von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz nutzen kann, ohne jedes Mal alles neu einzurichten. Hiermit hat Microsoft eine Funktion integriert, die gerade beim Anwender auf viel Zuspruch stoßen wird. Da man lediglich seine Zugangsdaten benötigt und sofort auf jedem Arbeitsplatz seine gewohnte Windows 8-Umgebung hat. Hierbei wird u.a. der personalisierte Desktop mit den Konfigurationen vom Betriebssystem und auch von einigen Apps synchronisiert.

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(c) Foto: microsoft.com

Viele Benutzer die Smartphones nutzen, sind es gewohnt, dass man bspw. über Widgets die aktuellen Nachrichten, E-Mails o.ä. auf einem Blick sieht. Dies hat Microsoft mit der gleichen Oberflächengestaltung für Mobilgeräte und feste Arbeitsplätze sehr gut über die Startansicht realisiert. Hier kann der Anwender seine aktuellen Status von Social-Networks und Live-Diensten sehen oder auch seine häufig genutzten Programme ablegen.

Ich würde das „Modern UI“ als hässliches Entlein unter den Desktopoberflächen bezeichnen, da die Optik und das damit verbundene Handling recht hinderlich ist aber andererseits über die Live-Kacheln sehr funktionell erscheint.

Was gilt es bei einem Upgrade auf Windows 8 zu beachten?

Zwar gibt Microsoft an, dass ein Lizenz-Upgrade von Windows 7, Vista und XP möglich ist, jedoch scheint nur bei Windows 7 ein vollständiges Update inkl. der Programmeinstellung möglich. Auf was sollte man Ihrer Meinung nach besonders bei einem Upgrade achten?

Benedikt Wollenweber (Netzorange): Von einem Upgrade eines bestehenden Systems würde ich grundsätzlich abraten, da nicht sicher ist, ob dieses funktioniert und sich Fehler, die sich im Ursprungssystem über die Jahre eingeschlichen haben so weiter fortgeführt werden. Meine Empfehlung wäre eine vollständige Neuinstallation des Systems auf einer neuen Festplatte. So kann man gefahrlos alles testen und im Zweifel wieder auf sein ursprüngliches System zurückgreifen. Sollte dennoch ein Upgrade durchgeführt werden empfiehlt es sich unbedingt das alte System vorher zu sichern.

Stefan Steuer (acmeo): Das derzeit größte Problem bei einem Upgrade auf Windows 8 ist die lokale Internetbandbreite. Denn hier müssen allein für das Upgrade 2GByte heruntergeladen werden, was zwar deutlich schlanker als sein Vorgänger ist aber dennoch viel Zeit in Anspruch nimmt.

Bevor man nun ein Upgrade auf die nächst höhere Version durchführt, sollte man seinen Daten gesichert haben und die aktuelle Windows-Umgebung inkl. Treiber auf die aktuellste Version bringen. Denn nur dann ist es auch möglich ein Upgrade auf Windows 8 durch zu führen. Hier stößt man jedoch mit Windows XP an die Grenzen, da lediglich die persönlichen Daten des eigenen Benutzerkontos transferiert werden können. Stattdessen könnte man auch einfach direkt das neue Betriebssystem installieren und dadurch möglicherweise Fehlermeldungen umgehen. Vorausgesetzt ist natürlich, dass die Festplatte korrekt formatiert wurde.

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(c) Foto: microsoft.com

Nutzen IT-Experten selbst das neue Windows?

Und zum Schluss wollen wir natürlich auch noch wissen, ob Sie selbst privat auch schon Windows 8 verwenden?

Benedikt Wollenweber (Netzorange): Ich selbst nutze Windows 8 bereits seit einigen Wochen in einer virtuellen Maschine um mich in Ruhe mit dem System auseinanderzusetzen. Die Installation auf meinem Notebook war nicht erfolgreich, da meine UMTS-Karte und die serielle Schnittstelle nicht erkannt werden. Daher werde ich vorerst bei Windows 7 bleiben.

Stefan Steuer (acmeo): Ja. Ich selbst habe die vorab Version auf meinem privaten Desktop-PC und mehreren Notebooks installiert und war nach dem ersten Kontakt mit Windows 8 eher skeptisch als erfreut, da ich das Handling der „Kacheln“ nicht gewohnt war und verzweifelt eine komplett Übersicht á la Startmenü gesucht habe um alles in einem Blick zu haben. Was mich allerdings erstaunt hat ist, dass ich nun alle 8 CPU-Kerne auslasten kann und dass Windows 8 in unter 10 Sekunden vollständig hochfährt. Dies war auch letztendlich das ausschlaggebende Kriterium, dass ich mich weiter mit dem Betriebssystem Windows 8 beschäftigt habe und es nun in meinem kompletten Heimnetzwerk in Betrieb habe.

Vielen Dank.

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3 Kommentare zu "Windows 8 – 5 Fragen an IT-Experten"

  1. Marius sagt:

    Hallo Stefan,

    lange nichts gehört. Wie geht es dir?
    Toller Beitrag!!

    Würde mich freuen wenn du dich mal wieder meldest.

    Gruß

    Marius

  2. Manuel sagt:

    Danke, schöner Beitrag.
    Werde mir jetzt auch erstmal Windows 8 in der Virtualbox installieren.

  3. Chris sagt:

    An das fehelende Start Menue muss man sich erst gewÖhnen, ansonsten aber gut gelungen.

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